Ansprache des Botschafters S.E. Yoram Ben Zeev

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Ansprache des Botschafters
S.E. Yoram Ben Zeev,
Israelische Botschaft Berlin

2. Deutscher Israel-Kongress, Frankfurt am Main, 23. Oktober 2011

– ES GILT DAS GESPROCHENE WORT –

Liebe Freunde,
die wichtigste und schönste Nachricht der Woche ist: Gilad Shalit ist am Dienstag
nach über fünf Jahren Geiselhaft endlich zu seiner Familie nach Israel
zurückgekehrt. Vor einem Jahr haben wir auf dieser Bühne über das Schicksal
von Gilad Shalit gesprochen. Jetzt sind wir alle unglaublich froh, dass Gilad nach
so vielen Jahren in den Händen der Terroristen der Hamas nach Hause
gekommen ist. Auf dieser Bühne möchte ich nun der Bundesregierung sehr
herzlich für die Unterstützung in den Verhandlungen um die Freilassung von
Gilad Shalit danken! Ohne die aktive deutsche Rolle wäre das Abkommen nicht
zustande gekommen.

Liebe Freunde,

es ist wunderbar, dass Sie auch in diesem Jahr nach Frankfurt gekommen sind.
Mit dem Israel-Kongress haben wir im vergangenen Jahr etwas Wichtiges
gestartet. Das wollen wir heute gemeinsam fortführen. Auch die israelische
Regierung hat mitbekommen, dass wir hier auf der größten organisationsübergreifenden
Pro-Israel-Veranstaltung Europas sind. Es freut mich, dass Vize-
Außenminister Danny Ayalon heute bei uns ist. Ich möchte dem Chef-
Koordinator Sacha Stawski und seinem Team sehr herzlich dafür danken, dass
sie diesen Kongress möglich gemacht haben!
Und ich danke Ihnen allen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, nach
Frankfurt zu kommen.

Meine Damen und Herren,
wir befinden uns in einer Zeit der Turbulenzen und des Umbruchs im Nahen
Osten. Die arabischen Staaten in unserer direkten Nachbarschaft befinden sich
in einer Phase großer Veränderungen. Die Menschen in Tunesien, Ägypten,
Libyen und anderswo sind für Freiheit, Demokratie, Arbeitsplätze und ein
besseres Leben auf die Straße gegangen. Wir können nur hoffen, dass die
Umwälzungen nun keine radikalen Regime oder ein Vakuum hervorbringen
werden. Nur stabile und moderne Regierungen können der Bevölkerung die
erkämpfte Freiheit geben und sie erhalten.
Der Trend muss nun in Richtung Freiheit und Demokratie gehen – und nicht in
Richtung Hass und Gewalt! Ich hoffe, dass unsere arabischen Nachbarn
erkennen, dass anti-westliche und anti-israelische Propaganda keine
Arbeitsplätze schafft und keinen Hunger stillt. Sie löst keine Probleme und
erzeugt nur Gewalt. Sie hilft niemandem.

Liebe Freunde,

seit der Gründung unseres Staates vor 63 Jahren versuchen wir, Frieden mit
unseren Nachbarn zu erreichen. Ein echter Frieden ist das Beste für uns alle. Ich
bin überzeugt davon, dass Frieden auch die beste Garantie für Israels Sicherheit
ist. Wir wollen Frieden – vor allem mit unseren palästinensischen Nachbarn. Wir
wollen die Zwei-Staaten-Lösung gemeinsam mit ihnen umsetzen. Doch das
werden wir nur durch direkte Verhandlungen schaffen. Einseitige Schritte der
Palästinenser bei den Vereinten Nationen bringen uns dem Frieden nicht näher.
Keine einzige der Kernfragen wie Grenzen, Wasser, Flüchtlinge, Sicherheit und
Jerusalem kann durch UNO-Resolutionen geklärt werden. Es gibt nur einen
Weg: Wir müssen an den Verhandlungstisch zurückkehren. Israel ist dazu bereit.
Ich nenne fünf Punkte, die wir umsetzen müssen, wenn wir Frieden wollen:
Erstens: Wir müssen einen palästinensischen Staat als Nationalstaat des
palästinensischen Volkes anerkennen. Gleichzeitig müssen die Palästinenser
den jüdischen Staat Israel als Nationalstaat des jüdischen Volkes anerkennen.
Zweitens: Die demografischen Fragen beider Seiten sollten im Rahmen der
jeweiligen Nationalstaaten gelöst werden – besonders die Flüchtlingsfrage.
Drittens: Der Friedensvertrag muss den Konflikt endgültig beenden. Das heißt,
es dürfen nach der Unterzeichnung keine weiteren Forderungen mehr gestellt
werden. Der Friedensvertrag muss permanent sein – und nicht temporär.
Viertens: Ein zukünftiger palästinensischer Staat darf Israel nicht bedrohen – wie
es jetzt aus dem Gazastreifen passiert.

Fünftens: Jeder Friedensvertrag sollte mit Garantien von Seiten der
internationalen Gemeinschaft verbunden sein.
Diese Themen sind uns wichtig. Es kann sein, dass für die Palästinenser andere
Themen wichtig sind. Genau dafür gibt es ja Verhandlungen. Jede Seite
präsentiert ihre Vorstellungen. Dann verhandeln wir. Doch eines ist klar: Wenn
eine der beiden Seiten keinen Frieden will, wird es auch keinen Frieden geben.
Auch der Frieden mit Ägypten und Jordanien ist für Israel eine strategische
Entscheidung. Beide Länder sind wichtige Partner für uns. Ich hoffe, dass wir
bald die negativen Entwicklungen hinter uns lassen und ein neues Kapitel in den
Beziehungen zu diesen Ländern aufschlagen können. Ägypten hat jetzt gerade
eine wichtige Rolle bei der Freilassung von Gilad Shalit gespielt.
Die Türkei war und ist ebenfalls ein wichtiger Partner für uns. Unsere
Beziehungen waren lange Zeit hervorragend. Jetzt tun wir alles, um zu einer
echten Partnerschaft zurück zu kehren, denn wir teilen dieselben Interessen.
Und wir bekämpfen denselben Feind: den Radikalismus – egal woher er kommt.

Meine Damen und Herren,
vor einem Jahr sprach ich hier über den Iran. Und noch immer haben wir das
Thema auf der Agenda. Es sieht so aus, als ob die Entwicklungen in der
arabischen Welt vom Regime in Teheran positiv wahrgenommen werden, da der
Umbruch eine instabile Lage geschaffen hat. Der Iran kann in dieser Situation
seine Ziele noch besser verfolgen, nämlich:
– Die Festigung des eigenen Staates als regionale Macht.
– Die Vereinigung der radikalen Kräfte im Nahen Osten gegen den Westen.
– Und die Vernichtung Israels –
als jüdischer Staat und als Repräsentant westlicher Werte im Nahen Osten.
Ich möchte keine Zeit verschwenden, indem ich über den Hass und die Ignoranz
von Ahmadinedschad rede. Doch das Streben des Iran nach Atomwaffen
nehmen wir sehr ernst! Wir sehen dies als Bedrohung für die ganze Welt. Mit
dieser Bedrohung muss sich die gesamte internationale Gemeinschaft befassen,
nicht nur Israel allein.

Liebe Freunde,
trotz aller Aufregung um uns herum ist in Israel die Lage stabil. Wir müssen – wie
immer – mit allen neuen Herausforderungen flexibel umgehen. Wir haben ja auch
keine Wahl, denn wir leben im Nahen Osten. Ich gebe Ihnen einige Beispiele
dafür, dass wir uns nicht von unserem erfolgreichen Weg abbringen lassen:

Erstens: Wirtschaft
Auch im weltweit ökonomisch schwierigen Jahr 2011 ist die israelische Wirtschaft
noch um 4,8 Prozent gewachsen!

Zweitens: Demokratische Werte
Ein Beispiel dafür, dass unsere lebendige Demokratie funktioniert, ist die
Bewegung für soziale Gerechtigkeit, die in diesem Sommer große Teile der
Bevölkerung mobilisiert hat. Viele tausend Menschen haben mit friedlichen
Mitteln überall im Land demonstriert und dabei Verantwortung und Solidarität
füreinander gezeigt. So funktioniert Demokratie. Lösungen werden in einem
Dialog gesucht – ohne Gewalt!

Drittens: Forschung
Wir sind stolz darauf, dass der Chemie-Nobelpreis in diesem Jahr an den
israelischen Wissenschaftler Daniel Shechtman vom Technion in Haifa verliehen
wird. Er ist bereits der zehnte israelische Nobelpreisträger. Israel war bisher in
vier Kategorien erfolgreich: viermal Chemie, zweimal Wirtschaft, dreimal Frieden
und einmal Literatur.

Dieser Erfolg zeigt uns, dass die Freiheit des Geistes Israels wichtigstes Kapital
ist. Israelis denken „outside the box“. Und dieses kreative Denken war und ist der
Ursprung der Innovationen, die unser Land voran bringen.
Unser Erfolg bedeutet nicht, dass wir andere bevormunden wollen. Ganz im
Gegenteil. Wir wollen mit unseren Nachbarn zusammen arbeiten. Wir wollen
gemeinsam die Wüstenbildung bekämpfen, die Landwirtschaft voranbringen, uns
um die Wasser-Ressourcen kümmern. Es ist an der Zeit, dass unsere
arabischen Nachbarn begreifen, dass nicht Israel der Feind ist. Der Feind sind
der Mangel an Bildung, fehlende Meinungsfreiheit, die Unterdrückung von
Minderheiten, Wassermangel und so weiter.

Liebe Freunde,
schließen möchte ich mit einem Blick auf die deutsch-israelischen Beziehungen.
Und ich möchte es ganz deutlich sagen: Ich halte unsere Beziehungen
insgesamt für hervorragend! Diese Tatsache schließt natürlich nicht aus, dass
wir auch Meinungsverschiedenheiten haben. Doch ich hoffe, dass wir uns
respektieren und gegenseitig zuhören, auch wenn wir nicht immer derselben
Meinung sind. Das wünsche ich mir übrigens auch hier und heute auf diesem
Kongress!

Wenn ich in diesen Saal blicke, dann sehe ich, wie lebendig und vielfältig unsere
Beziehungen sind. Erinnerung und Zukunft – das sind zwei Schlagwörter, die das
Verhältnis zwischen Deutschland und Israel bestimmen. Wir sind uns einig
darüber, dass die Erinnerung an die Shoa von Generation zu Generation
weitergeben werden muss. Gleichzeitig sind der Jugend-, Kultur- und
Wissenschaftsaustausch sowie die Kooperation in den Bereichen High-Tech,
erneuerbare Energien und Entwicklungshilfe gute Beispiele für unsere gelungene
zukunftsorientierte Zusammenarbeit.

Auch die deutsch-israelische Wirtschafts-Zahlen sprechen eine sehr klare
Sprache. Schauen wir in das Jahr 1960. Das Handelsvolumen zwischen Israel
und Deutschland lag damals bei 100 Millionen US$. Betrachten wir nun das
vergangene Jahr: 2010 betrug das Volumen 5,14 Milliarden US$.
Wie intensiv die Beziehungen auch auf politischer Ebene sind, zeigen die
regelmäßigen deutsch-israelischen Regierungskonsultationen ebenso wie die
zahlreichen Reisen hochrangiger Politiker ins jeweils andere Land.

Meine Damen und Herren,
ich weiß: Israel hat gute Freunde in Deutschland. Und viele der besten Freunde
sind heute hier! Ich danke Ihnen allen persönlich – und Ihren Organisationen und
Vereinen – für die Solidarität, für die Unterstützung und für das Engagement. Vor
allem danke ich Ihnen für Ihre Freundschaft! Ich hoffe, dass der Israel-Kongress
ein fester Bestandteil dieser Freundschaft bleiben wird.
Wir verlassen uns darauf, dass Deutschland uns – und dass SIE uns – wie
bisher – auf unserem Weg zum Frieden unterstützt. Ich wünsche uns allen, dass
wir auch den nächsten Kongress mit einer so positiven Nachricht wie der
Heimkehr von Gilad Shalit beginnen können. Hoffentlich werden wir in einem
Jahr dem Frieden einen großen Schritt näher gekommen sein. Wir wissen, der
Nahe Osten ist immer für eine Überraschung gut. Und vielleicht gelingt es uns in
den kommenden zwölf Monaten sogar, die Welt – und uns selbst – zu
überraschen.

Lassen Sie uns gemeinsam optimistisch bleiben!
Toda raba!
Vielen Dank!

Und hier das Video der Rede:

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Hier können Sie noch einmal den Prospekt als pdf herunterladen... Downloadlink: https://www.israelkongress.de/history/de/archive/2011/upload/Anmeldeprospekt-Israel-Kongress-2011.pdf ...
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Sie alle werden beim 2. Deutschen Israelkongress dabei sein und viele weitere… 1. Reihe v.l.n.r.: Dieter Graumann, Pröbstin Gabriele Scherle, ...
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Das Programm V O R T A G E S - P R O G R A M M   A ...
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Israel-Journal 2011 ... online lesen - oder anfordern! Klicken Sie auf die untenstehende Abbildung, um das über 100seitige Journal online ...
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